Tokyo und die Blüten

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Tokio empfängt mich mit den letzten Kirschblüten und viel Sonne. Während die arbeitende Bevölkerung die nur kurz geöffneten Parks nicht zu Gesicht bekommt, liegen Teenager, Rentner und wir Touris unter den Kirschbäumen. Bei jedem Windstoss schneit es weiss-rotarote Blüten. Während dieser Zeit hier zu sein, wird so noch mehr zum surrealen Traum.

Erste Eindrücke von sich ständig verbeugenden Menschen (selbst die Verkäuferin im Zug), die immerzu Merci sagen (im Touribüro), sich entschuldigen (in der Metro einer Metropole) und grüssen (im Starbucks ohne konkreten, neuen Gast)…

Budapest und die Ruinenbars

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Ein Lavabo als Blumentopf, Fahrräder als Wanddeko, ausgediente Autos als Sitzgelegenheit, eine Handvoll verschiedene Bars, in einer Badewanne wachsen Pflanzen, alte Fernseher zeigen Visuals, umgedrehte Abfalleimer als Lampenschirme, Telefonhörer als Türfallen.

So empfängt die älteste Ruinenbar Szimpla Kert seine Besucher. In diesem chaotisch-charmantem Ambiente wird abends getrunken und getanzt. Im ersten Stock gibt es Ateliers und an die fünf Bars sorgen, dass keine Kaffeegelüste oder Bierlust ungestillt bleiben.

Am Sonntag findet in diesem Romkocsma (Ruinen Pub) ein Markt statt, wo man sich gleich ein Frühstück zusammenstellen kann. Hinten im Hof sitzen Frauen in einer Runde und rüsten gemeinsam Gemüse für die Gulasch-Suppe, die alsbald in einem riesigen Topf dampft. Überall sitzen Leute, Einheimische wie Touristen, und bringen Leben in dieses ehemals leerstehende Gebäude.

So unbürokratisches sollte doch auch in Bern möglich sein, sollte man meinen. Bei uns taucht dann nach einem Telefon des Besitzers gleich die Polizei auf. Auch wenn das Haus seit Jahren leersteht und anscheinend nicht benötigt wird.

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Ende der Welt

Santa Maria di Leuca

Vom Ende der Welt, in Santa Maria di Leuca, führt eine schöne Küstenstrasse nach Otranto. Wir fahren wie Sonntagsfahrer, um aufs Meer zu starren. Den inexistenten Verkehr behindern wir so nicht. Die tiefstehende Sonne lässt den nahenden Winter erahnen und das Licht taucht die felsige Gegend in ein unwirkliches Erlebnis. Unten am Meer sitzen die Fischer, die kurz vor der Essenszeit von ihren Frauen besucht werden. Wohl, um abzuschätzen, ob es Fisch zu essen geben wird oder um die letzte Wärme der Tages zu geniessen.

Apulien für uns alleine

Lonely

Es ist Winter, sagen die Menschen in Apulien. Dabei ist es noch immer 25 Grad. Die Touristensaison ist vorbei, ein Restaurant pro Stadt ist  offen, aber nicht den ganzen Tag. Die Dörfer, die wir passieren, sind ausgestorben, Fensterläden geschlossen und Gelaterias leer gegessen. Die Enotecas haben nicht einmal mehr die regionalen Weine im Offenausschank und die Restaurants haben ihren Rucola verkauft. Der Amaretto ist leer, heisst es an einem Abend. Am anderen: Wir haben keinen, dabei steht ein Disaronno hinten auf dem Tresen.

Nicht auszumalen wie voll Apulien im Sommer sein muss. Jetzt ist es ruhig, manchmal fahren wir eine halbe Stunde ohne eine Menschenseele zu treffen. Nur Kakteen, Olivenbäume und Steinmauern, halb fertiggebaute Häuser, in denen bereits Bäume wachsen und leere Strände.

Brindisi und die Siesta

Ostuni

Brindisi, das halb so gross wie Bern ist, wird nachmittags zur Schlafstadt. Die wenigen Leute, die da sind, treffen sich in einem der drei offenen Cafés und trinken Espresso. Abends im Fischrestaurant essen sie innerhalb einer halben Stunde drei Gänge. Dabei schlürfen sie laut bei den Muscheln, schälen die Crevetten von Hand und schauen TV-Shows, die jeder Feministin die Haare zu Berge stehen lassen.

Am nächsten Tag flüchten wir, Brindisi als Basis ist zu ruhig. Unser Ziel erreichen wir über einen Umweg nach Ostuni, einem weiss gekalkten Städtchen, das auf einem Hügel trohnt und herrliche Blicke aufs Meer hat. In Martina Franca spazieren wir durch enge Gassen, nachdem wir uns unter einen Sonnenschirm vor einem Regenschauer gerettet haben.  Abends erreichen wir unsere neue Basis: In Lecce erwartet uns ein Zimmer in einer wundervollen Villa und noch besserem Garten.

Gartenpause

Farbe in der Lorraine

In diesem wunderschönen Herbsttagen kann man es kaum glauben, dass es bald kalt, hässlich, tot und unerträglich wird. Noch leuchten hier und da Blumen und Pflanzen neben eher abserbelnden Blättern. Doch die Zeichen trügen nicht, erste Blätter verfärben sich und die Nächte werden länger, die Abende kälter und die Ideen der Gartenbloggerin schwächer.

Ein Fazit nach dem Gartenjahr zu ziehen, fällt schwer, aber ich versuche mich mal: 48 Stunden mit Jäten verbracht, danach 300 Kilogramm Unkraut entsorgt und zwei Rückmassagen bekommen gegen die Versteifung. Zwei Kilo Seife verbraucht, um die Hände zu putzen. Drei Liter Blut verloren, weil mich der Japanische Schilf und die Rosen immer wieder erwischt haben. 4 Liter Schweiss. 5000 Liter Wasser auf die Terrasse geschleppt. 6000 Franken für Samen, Utensilien, neue Pflanzen und Dünger ausgegeben. 7000 Pilzerkrankungen an den Rosenstauden festgestellt. 10’000  Stunden in Gartenzentren verbracht. 11’000 Stunden die Blumen auf der Terrasse bestaunt. Ein Kilogramm Cherrytomaten, zwei kleine Gurken, 15 Chilis und 20 Mangobirnen geerntet, 20 Mal Rosmarin fürs Grillieren verwendet, dafür monatelang Erdbeeren von der Staude genascht.

Ihr seht, rentiert hat sich die Plackerei nicht, aber das spielt keine Rolle. Mit diesem Bild aus dem Berner Lorraine Quartier verabschiede ich mich, bis die Sonne die Natur wieder keimen lässt.