Fragile Schönheit

Fragil

Bis vor wenigen Wochen hätte man nicht geglaubt, was mit einigen Sonnenstrahlen aus der Erde spriesst. Vergessen hat man die Farbe der Tulpenzwiebeln, die man im Herbst eingebuddelt hat. Ein Wunder ist das harmonische Verhältnis zwischen den zwei Minzensorten, die beide ineinander und miteinander wuchern. Freude machen die vielen Blüten, die die Walderdbeeren treiben. Nie gepflanzte Blumen spriessen, wo sie Platz finden.

Diese ganze Schönheit ist noch fragil, doch mit dem heutigen Tag haben wir auch die Eisheiligen überstanden. Seit vier Tagen und noch heute Nacht könnte es zu Frost kommen. Drei dieser Tage, vom 11. bis 13. Mai, sind bereits vorüber und der Volksmund sagt: Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.

Und heute gilt es noch die Kalte Sophie zu überstehen, auf diesen Tag hab ich gewartet. Eigentlich hätte ich schon lange Lust, meine Sprösslinge und die gekauften Setzlinge nach draussen zu verfrachten. Vollzeitgärtnerin sollte man sein, dann könnte man die Arbeiten mit dem Wetter planen. Wer sonstwas arbeitet, plant neben den Arbeitszeiten und Abmachungen und Sport die Gartenarbeiten ein. Deshalb pflanzte ich alles am Montag ein, die kalte Sophie im Hinterkopf, und spekuliere auf die Angaben des Meteodienstes.

Eben dieser prognostiziert keine Minustemperaturen. So dürfte die zerbrechliche Schönheit nun bestehen bleiben und immer stärker werden. Grosse Gefahren drohen nur noch von Nachbars Katzen. Die mögen besonders den Basilikum, den ich genau deswegen nicht mehr anpflanze.

World earth day

Quelle: Claudia Salzmann

Weltgesundheitstag, Muttertag, Valentinstag… all diese Tage kennen wir nur zu gut. Wusstet ihr, dass am vergangenen Montag Tag des Erde war? Seit 1990 wird jeweils am 22. April unser Planet gefeiert. 200 Millionen Menschen in 141 Ländern wurden erreicht. Besondere Bedeutung hat die Schülerinitiative «Plant for the Planet», die 2007 von dem damals neunjährigen Schüler Felix Finkbeiner aus Pähl bei Starnberg ins Leben gerufen wurde, als er sich auf einen Vortrag über Klimawandel vorbereitete. Bis heute wurden weltweit über 12 Milliarden Bäume gepflanzt.

Meine Eltern haben schon vor dieser Initiative Bäume gepflanzt, jedes ihrer Kinder bekam einen Baum im Garten. Mein Bruder hat hinter dem Haus eine Tanne, meine Schwester auf dem Rasen einen Nussbaum und ich ebenfalls eine Tanne. Als Kind stand ich noch daneben und war gleich gross. Heute ist die Tanne grösser als das dreistöckige Bauernhaus.

Ich habe es ihnen nachgetan und habe letztes Jahr einen japanischen Ahorn gepflanzt. Obwohl er nicht einheimisch ist, hat er den langen Winter überstanden und nun macht er wieder rote Blätter. Grösser als das Haus wird er bestimmt nicht werden, da es eine kleinwüchsige Sorte ist und gerne als Bonsai verwendet wird. Wenn ich umziehe, werde ich ihn sicher mitnehmen, so sehr habe ich ihn in nur einem Jahr ins Herz geschlossen. Bis dahin verleihen seine roten Blätter meiner Terrasse einen schönen asiatischen Touch.

Habt ihr auch einen Baum für unsere Erde gepflanzt?

From winter to summer

Monatelang warten Hobbygärtnerinnen wie ich auf den Frühling, dass man endlich im Dreck wühlen darf und endlich die Pflänzchen zu spriessen beginnen. Am Samstag stiegen die Temperaturen dann über 20 Grad und wie viele andere machte ich mich auf den Weg ins Gartenzentrum. Dort erschlug mich die Fülle an Pflanzen fast, die verkauft werden sollten. Alles blühte bereits und die Gestelle waren proppenvoll. «Nun können Sie es wagen», spricht mir ein Verkäufer zu, als ich etwas zögerlich einen Topf Margeriten aus dem Gestell zog. Endlich ist der Frühling da, oder sollte man sagen: Endlich ist der Sommer da. Denn von frühlingshafter Temperatur ist nichts zu spüren, schon ist es wirklich warm. Auch die Gartenzentren verkaufen nicht mehr nur robuste Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht, sondern setzen bereits auf Sommerblumen.

Wo ich vor einigen Wochen noch alleine zwischen den Gestellen hindurch schlenderte, war nun fast kein Durchkommen mehr. Mit den Sonnenstrahlen kommt auch die Gartenlust und die Angst sinkt, dass die Pflanzen gleich wieder erfrieren. Aber die Wärme kann auch täuschen: Grundsätzlich ist bis Eisheiligen Vorsicht geboten, denn nur eine einzige Frostnacht reicht, um die zarten Blumen tiefzukühlen.

Viele Gärtner setzen auf traditionelle Blumen und andere auf eine Farbe im Garten. Ich mag mich weder fürs eine noch fürs andere entscheiden und achte lediglich auf zwei Dinge: In welcher Farbe werden meine Rosen blühen? Und kombiniere sie mit meinen Lieblingsfarben violett und gelb. Dann kaufe ich die Pflanzen nicht zu gross. Bereits letzten Sommer wucherten die kleine Margeritenstaude und die Gewürze in den grossen Kisten.

May the stronger survive

The start

Wenn die Samen zu keimen beginnen, wenn alle gekeimt haben, wenn die ersten echten Blätter erscheinen, erst dann darf man sich weiter um die Pflänzchen kümmern. Drei Wochen sonnten sich meine ersten Sprösslinge auf der Fensterbank oder eher suchten sie sich ihren Weg durch die Erde an die Helligkeit. Zu Beginn der Gartensaison muss ich mich zuerst daran gewöhnen, das Giessen nicht zu vergessen. Hoffentlich verzeihen es mir die Pflanzen. Überleben werden sowieso nur die Stärksten: Noch wenn ein Pflänzchen keimt, heisst das noch lange nicht, dass ich es leben lasse. Nur das Stärkste wird nicht abgeschnitten.

The white city

Kalemegdan

Popcorngeruch liegt in der Luft und die Sonne lockt die Leute reihenweise in den Park Kalemegdan. Hier hat man eine schöne Aussicht auf die beiden Flüsse Donau und Sava. Alle Bänke sind besetzt und die Menschen geniessen an Ostern die ersten Frühlingsanzeichen, neben sich eine Tüte Popcorn und daneben ein Bier. Der Wind erfrischt uns, während wir mit den Blick schweifen lassen. Unten am Fluss entdeckt man Restaurants, die verlockend aussehen. Doch erst bleiben wir in der Belgrader Innenstadt.

In der Nähe vom Park schlendern viele durch die Fussgängerzone. Die Passanten profitieren hier von Freiluftshopping: Vor einem leerstehenden Lokal wird Kunst verkauft, ältere Frauen zeigen ihre selber gehäkelten Tischdecken. Souvenirs der weissen Stadt, wie man Belgrad auch nennt, wehen im Wind und die Cafés platzen aus allen Nähten. >>> more pictures

Besserwissen 2.0

NarzisseBesserwisser hatten es früher besser: Da sass man zusammen in der Beiz, diskutierte über dieses und jenes und stellte Behauptungen auf. Überprüfen konnte der Zuhörer ja nichts, so ohne Smartphone und zu der Uhrzeit war auch keine Bibliothek mehr offen. Heute wird schnell das Telefon gezückt, um mit dem allwissenden Internet Behauptungen zu entkräften und den Besserwisser zu entlarven.

Das dachte ich, als ich im Café sass und mit einer Freundin das Treiben auf dem Trottoir beobachtete. Da kam ein Freund von mir anspaziert, in der Hand eine Aprilglocke. So nannte ich sie. Beide schauten mich an. Osterglocke sagte meine Freundin. Wir schauten sie an. Narzisse sagte mein Freund. Wir schauten ihn an. Danach lange ins Handy, welches uns allen Recht gab. Eine wunderschöne Blume, drei Namen.

Somit war immerhin der Name geklärt, aber ob Narzisse von Narzissmus abgeleitet wird, frage ich mich noch immer.